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Tibet in der heutigen Zeit


Atomares Tibet?

Wie in vielen Veröffentlichunge der Tibet-Unterstützer-Szene zu lesen ist, schreibt man auch auf der interessanten Tibetfocus-Seite im Internet:
«China betreibt seit Ende der 50er Jahre Atomforschung. Den grössten Teil seiner Atomindustrie - Produktion und Forschung - befindet sich auf tibetischem Gebiet. Der letze atomare Testversuche fand Im Juni 1996 statt. Die Anzahl der bisher erfolgten Testversuche auf tibetischem Boden wird auf 55 geschätzt. (...) Am Kokonor-See im Norden Tibets befindet sich das chinesische "Los Alamos", genannt die "9. Akademie". Anfang der 60er Jahre wurde mit dem Bau dieser zentralen Forschungsstätte, grösstenteils unterirdisch angelegt, begonnen. 1967 war die atomare Forschungs- und Produktionsstätte voll in Betrieb. Auch im Bereich dieser Anlage häufen sich Krankheiten und Todesfälle unter den dort lebenden Nomaden.» (Carsten Nebel, 1998, in Tibetfocus)
Eigentlich ist es unverständlich, dass die doch nicht unwesentliche Information, dass die im Westen als 9. Akademie bekannte Nuklearforschungsanstalt schon seit Jahren geschlossen und inzwischen schon ein Jahrzehnt nicht mehr in Betrieb ist, sich in keinster Weise in den üblichen Tibet-Berichten niederschlägt.

Die Schliessung der Nuklearforschungsanstalt auf der Nordostseite des Sees Kokonor wurde 1987 beschlossen und ist seit Beginn der 1990er Jahre definitiv umgesetzt. Wäre das Gelände tatsächlich verstrahlt, dann würden dies im wesentlichen die heute dort untergebrachten Behörden abbekommen, denn pikanterweise ist nach Schließung der sog. Neunten Akademie (unter diesem Namen firmierte die merkwürdigerweise auch nur im Westen) die Verwaltung der autonomen Präfektur Haibei (tib. Tshojang) untergebracht worden. Der Regierungssitz dieser Region liegt also nicht in der Kreisstadt Haiyan, sondern sozusagen auf dem "flachen" Land. Das Gelände kann inzwischen - bei Voranmeldung und Arrangement in der Provinzhauptstadt Xining - auch von Ausländern besucht werden:

«...the former nuclear research centre which, after its definite shut-down at the beginning of the 1990s, is housing the government offices of the Tibetan Autono-mous Prefecture of Haibei ('North [Qing]hai', Tib. Tshojang). This may be the reason why it [= Lamo Garthog Küntu Dewa Ling monastery]  could not be visited before 1995, but in the meanwhile it is open for visitors!» (Op. cit. A. Gruschke, "The Cultural Monuments of  Tibet’s Outer Provinces. Amdo", vol. 1, Bangkok 2001, p. 229)


 
Klischee: 
Tibetische Namen werden in neue chinesische umbenannt...

Die chinesische Umschrift (Pinyin) tibetischer Namen unterscheidet sich von der exakten Transkription der chinesischen Zeichen, da man in China versucht, sich so dem tibetischen Lautwert anzunähern. Wegen  unterschiedlicher  Quellen,  mangelhafter  Übertragungen  und  Dialektunterschieden  lassen  sich  Fehler  und  Ungereimtheiten  in  der  Transkription  tibetischer Namen selbst in westlichen Schriftsystemen meist nicht  ganz vermeiden. Die  Artikulation  der  Wörter  kommt  der  richtigen tibetischen  Aussprache  (Lhasa-Hochsprache  und,  gelegentlich,  Dialekte)  meistens dann am nächsten, wenn die lateinischen Buchstaben als Vokale auf deutsch und die Konsonanten  (insbesondere  j,  ch,  sh,  r)  auf  englische  Art  und  Weise  ausgesprochen werden. 
Die Eindeutigkeit der Transliteration ist letzten Endes auch nicht gegeben, da sich in tibetischen Schriften hin und wieder eine unterschiedliche Orthographie bis hin zu Schreibfehlern überliefert haben. Siehe:

“Bemerkungen zu Umschrift und Aussprache tibetischer Namen

Ich habe mich in diesem Buch für die lautliche Wiedergabe (Transkription) tibetischer Namen entschieden, obwohl natürlich gerade die verschiedenen tibetischen Dialekte die Einheitlichkeit der Umschrift gefährden können: So wird das tibetische Wort Gompa (“einsamer Ort, Tempel, Kloster") in manchen Gegenden  des  Hochlandes  als  Gömpa  ausgesprochen,  während  z.B.  die berühmte Gebetsformel Om mani padme hum nur in archaischen Dialekten (Khampa) tatsächlich so ausgesprochen wird, wie sie bei uns berühmt geworden ist.
Da  das  Tibetische  eine  Buchstabenschrift  besitzt,  hätte  sich  auch  die Möglichkeit  der  buchstabengetreuen  Wortübertragung  (Transliteration) angeboten. Der Sprachwandel, der sich in Tibet im Laufe der Geschichte vollzogen hat, führte jedoch dazu, daß solche transliterierten Begriffe zwar eindeutig in der Übertragung, aber für den Laien (und in manchen Fällen selbst für viele Kenner der Materie) kaum eine Chance bieten, die Aussprache mancher Begriffe zu erfahren: Ohne die genaue Kenntnis der Ausspracheregeln (und der teilweise  von  unseren  Lauten  verschieden  klingenden  Phoneme)  ist beispielsweise vom Wort Khri Srong lDe TSan nur schwer auf dessen (ungefähre) Aussprache T rj isongdetsen zu kommen. Für eine Auswahl von wichtigen Namen und Begriffen habe ich im Anhang die Transliteration aufgeführt, wobei ich versucht habe, bei den für das Tibetische so typischen Konsonantenbündeln darin jene konsequent groß zu schreiben, die Phoneme sind. Dabei konnten Fehler wohl nicht ganz vermieden werden, weil z.B. “echte" Tibetologen (wie G. Tucci, H. Hoffmann  u.a.)  ausschließlich  die  Transliteration  verwenden,  andere ernstzunehmende sich mit Tibet Beschäftigende (z.B. viele Buchautoren) aber weder tibetisch sprechen noch schreiben können (wie ich selbst) und sich häufig nicht  einmal  sonderlich  mit  der  Sprache  und  ihren  komplizierten Ausspracheregeln auseinandergesetzt haben. Da ich zumindest letzteres versucht habe, will ich hier einige der wichtigsten Ausspracheregeln wiedergeben.
Die “Buchstabenpräfixe" g, d, b, m, r, s, l und ' sowie v als letztes einer Konsonantengruppe  werden  quasi  nicht  ausgesprochen,  ebensowenig  die Endkonsonanten d und s, während g, r und l so schwach erklingen, daß sie mehr oder weniger ausgelassen werden können.  Die  meisten  tibetischen Konsonanten gleichen den unseren, c entspricht etwa dem englischen j bzw. deutschen dsch, aber stimmhaft. Ein den Konsonanten nachgestelltes h deutet ihre Aspiration an - also ph als aspiriertes p und nicht etwa f. Ng ist ein selbständiges Phonem - so wie im Wort “Gesang" - und kann auch am Anfang eines Wortes stehen. Z und zh entsprechen s und sh in einem tieferen Ton.  Eine große Zahl von Konsonantenverbindungen bekommen eine neue Aussprache:   gy wie englisches j;   py wie tibetisches c;   phya wie ch;   bya wie j;   mya wie nya;    tr und kr wie t mit einem schwachen, gezischten r rj ,   ebenso dr, br und gr wie d mit r  rj ;       mr schlicht als m;   sr als s;       db wie w;     dby wie y;     zla wie da. Bestimmte Konsonanten können im Wort auch den Lautwert eines Vokals ver~ ändern, z.B. wird bTSan als tsen ausgesprochen.
Ein anderes wichtiges Problem bei der Identifikation von Namen auf der tibetischen Landkarte sind ihre chinesischen Zweitnamen, die aufgrund der politischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte vermehrt auftauchten. Hier trifft uns ein doppeltes Problem: Zum einen kann die chinesische Schrift, die eine einsilbige Laute wiedergebende Zeichenschrift und keine Buchstabenschrift ist, bestimmte Buchstabenfolgen (vor allen Dingen Mehrfachkonsonanten) und zum Teil auch Phoneme gar nicht wiedergeben, so daß ihr Lautwert nicht exakt ist - wie beispielsweise Sangye Si für das Kloster (=Si) Samye. Andererseits geben die chinesischen Bezeichnungen tibetische Namen manchmal genauer wieder, als dies bei uns gemeinhin für möglich gehalten wird, und das Mißverständnis rührt daher, daß ein Leser nicht mit den Ausspracheregeln der verschiedenen Transkriptionssysteme (des Tibetischen oder/und des Chinesischen) vertraut ist.
Z. B. scheint die Diskrepanz zwischen der chinesischen Wiedergabe Changzhu Si des tibetischen Tempelnamens Khra'brug zwar offensichtlich, wohingegen die nähere Betrachtung ergeben würde, daß in “Khra'brug" das transliterierte “Khr" den Ausspracheregeln nach als aspiriertes “T rj “ wiedergegeben werden müßte und damit dem chinesischen “Ch" (im Deutschen annähernd als  “Tsch" auszusprechen) recht nahe steht. Entsprechendes gilt für die Buchstabenfolge “br",  die  als  “d rj “  (etwa  “dsch")  dem  “zh"-Laut  der  chinesischen Pinyin-Umschrift gleicht. Das “g" am Wortende wird meist verschluckt. Somit ergäben sich - jeweils entsprechend der Ausspracheregeln ihrer Transkriptionen - im Deutschen ungefähr folgende Artikulationen:   Khra'brug    (tibetische Transliteration):      etwa  Tschadschug   Changzhu Si  (chinesische Pinyin-Umschrift):   etwa  Tschangdschu ßu    Si heißt im Chinesischen “Kloster, Tempel"; kursiv gesetzte Buchstaben    in der Übertragung rechts werden nur andeutungsweise ausgesprochen.  In diesem Fall ist die chinesische Transkription sogar exakter als die deutsche (aber: falsche) Aussprache der tibetischen Transliteration - und dies trifft auch in zahlreichen anderen Fällen zu. Weitere Verwirrung stiften die Sanskrit- Namen: Der bei uns als Kailash bekannte heilige Weltenberg in Westtibet wird von den Tibetern Kang Rimpoche genannt, während sein Name auf chinesisch Kangrinboqe Feng (=Gipfel) lautet.  Anders verhält es sich mit jenen chinesischen Benennungen, die sich nicht an der Aussprache der tibetischen Wörter orientieren. Darunter gibt es vier Arten: 1. Die tibetischen Orte haben in historischer Zeit (in aller Regel lange vor der kommunistischen  Machtübernahme)  chinesische  Bezeichnungen  erhalten. Beispiele: Der chinesische Name Guide geht auf die 1376 von den mongolischen Oberherren errichtete Garnison Guide zurück, Yushu wurde schon sehr früh von den Historiographen für das tibetische Jyekundo (in Nord-Kham) geführt und geht wohl auf den Namen eines Nomadenstammes oder einer Sippe zurück, die in diesem Raum lebte. 57  2. Die chinesischen Namen sind wörtliche Übersetzungen der tibetischen oder (in Amdo) auch mongolischen Begriffe: Kokonor vom mongolischen Khöke Noor heißt “Blauer See", was auch der chinesische Name Qinghai (Hu) besagt. 3. Die Siedlungen sind chinesische Gründungen und der tibetische Name ist später gegeben worden. Beispiel: Xining ist eine im 2. Jahrhundert v. Chr. gegründete chinesische Garnison, die Stadt wird von den Tibetern heute Ziling genannt. 58  4. In wenigen Fällen kann es vorgekommen sein, daß  die  chinesischen Bezeichnungen sich schon sehr früh an der tibetischen  Aussprache  des Ortsnamens orientiert hatten, aber beide Sprachen haben sich ja - nachdem sie im Altertum nachweislich größere Übereinstimmungen aufgewiesen hatten - in verschiedene  Richtungen  entwickelt.  Während  Lautverschiebungen  in Buchstabenschriften zuweilen ihren Niederschlag finden, ist dies bei einer Zeichenschrift wie dem Chinesischen nicht möglich, da das Zeichen in erster Linie sinntragend und nicht Phonem ist. Etwa: Die tibetische Provinz Ngari wird auf chinesisch Ali genannt; früher wurde die Silbe a auch im Chinesischen nga ausgesprochen, was Ngali ergäbe."

(Zit. aus: A. Gruschke, “Tibet. Weites Land auf dem Dach der Welt", Freiburg 1993) 

Die tibetische 
Exil-Flagge

Die heutige tibetische Flagge soll unter dem 13. Dalai Lama (1876 - 1933) entstanden sein, war aber kein Hoheitszeichen des alten Tibet:

«...The Tibetan flag emblazoned with two snow lions holding three gems ... had become the main symbol of the protestors although it had only be adopted as a national flag-in-exile.
Most Tibetans-in-exile believe that origin of the flag lies in great antiquity and accept that it has always been the national flag of Tibet. It was first displayed at the 1947 Inter-Asian Relations Conference.»

 (Op. cit. Tsering Shakya, The Dragon in the Land of Snows. A History of Modern Tibet Since 1947, London 1999, p. 417 & p. 523, n. 68)
Tibetfocus
Erklärung des Symbolgehaltes dieser Exil-Flagge

 


Tibet in der Vergangenheit


Tibet vor 1949

Auffassung der Lhasa-Regierung 1949 von der Ausdehnung Tibets

by Me

In Tibet  èèè to read the full article ... click here


“It is interesting to note that the idea of unification of all the Tibetan-speaking population applies only to regions under Chinese control. There was no attempt among the refugees to identify Tibetan-speaking populations of Nepal, India and Bhutan as part of Greater Tibet."
 (Op. cit. Tsering Shakya, The Dragon in the Land of Snows. 
A History of Modern Tibet Since 1947, London 1999, p. 520, n. 115)


 

ZITATE 
zum Klosterwesen im alten Tibet:

“All schools agree that there are risks with Tantric practice, but most are more willing to take them than the Gelugpa. The Gelugpa system was to produce a small minority of intensively trained scholastics and a smaller elite of Tantric adepts, while the vast majority fell out at some point early in the academic training." 

(G. Samuel, Civilized Shamans. Buddhism in Tibetan Societies, Washington, D.C./ London  1993, p.511)
“The main aim of religion is the good of others while that of politics is triumph of oneself and defeat of others, religion and politics are contrary and cannot blend harmoniously. (...) The ways of religion and politics are different. If it were true that the ways of religion and politics were one it would have been point-less for the Lord Buddha to renounce his throne and family life and become a monk." 
(Namkhai Norbu, The Necklace of gZi. A Cultural History of Tibet, Dharamsala 1981/ 1984, p.32)

 
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Buddhistische Lebenshaltung
und westliche Klischees


Tibetische Buddhisten essen kein Fleisch - wer sagt das?

“From the Glorious Kalachakra Tantra:
Even the Buddhists shall not completely abandon the temptations of the flesh and the non-vituous ways. / For example, those who live in the flesh-eating country of the north, respect the habit of eating meat almost as if it were a vow. ..."

(Zit. aus: Damchø Gyatsho Dharmatala, "Rosary of White Lotuses, being the clear account of how the precious teaching of Buddha appeared and spread in the great Hor country", translated and anotated by Piotr Klafkowski, Asiatische Forschungen, Bd. 95, Wiesbaden 1987, S.147)

 
 

[Foto: Eveline Dürr]
Dalai Lama - Oberhaupt aller tibetischer Buddhisten?

Kailash, nicht nur buddhistische Weltenachse, sondern auch heiliger Berg der Hindus?

Anteil der Lamas an der Macht 

Zahl der Mönche in den Klöstern

Zahl der tibetisch-buddhistischen Klöster gestern und heute
 
 
 
 
 
 
 
 

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